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Wie Wildtiere den Winter überstehen
Erstelldatum06.02.2018
Der Winter ist bislang mild, für die Wildtiere aber noch nicht vorbei. Klemens Doll, der Wildtierbeauftragte des Landkreises Emmendingen, erklärt, wie Tiere in Wald und Flur mit der kalten Jahreszeit zurechtkommen.
Die milden Temperaturen der vergangenen Wochen lassen bei manchen Menschen schon Frühlingsgefühle aufkommen – für die Wildtiere in Wald und Flur ist der Winter allerdings noch nicht vorbei. Klemens Doll, der Wildtierbeauftragte des Landkreises Emmendingen, zeigt an einigen Beispielen, wie Tiere den Winter überstehen.
Vögel im Garten
Mit der richtigen Vogelfütterung im Hausgarten oder auf dem Balkon – vor allem bei strengem Frost und wenn draußen Schnee liegt – können Gartenbesitzer einen Beitrag zur Überwinterung der Vögel leisen. In unserer ausgeräumten Landschaft und unseren aufgeräumten Gärten fehlen oft Früchte, Beeren und Erntereste. Allerdings muss bei der Vogelfütterung darauf geachtet werden, dass keine anderen Tiere an das Futter kommen. Das Beobachten der Vögel am Futterhäuschen und das Kennenlernen der verschiedenen Vogelarten im Winter ist darüberhinaus ein schönes Erlebnis für Tierliebhaber.
Igel reduziert Körpertemperatur
Dem Igel geht als Insektenfresser im Winter die Nahrung aus. Auch sein Stachelkleid wärmt wenig und kann keine hohe Temperatur sichern. Deshalb reduziert der Igel seine Körpertemperatur drastisch bis auf etwa fünf Grad. Die zum Überleben notwendige Energie deckt er mit den im Sommer und Herbst angefressenen Fettreserven ab. Sein Winterschlaf, bei dem er rund 30 Prozent seines Gewichts verliert, dauert etwa vier Monate.
Siebenschläfer machen ihrem Namen Ehre
Auch die Siebenschläfer versinken in einen Winterschlaf, der – wie ihr Name schon sagt – ab Herbst bis zu sieben Monate dauern kann. Erst im Mai melden sie sich wieder zurück.
Eichhörnchen, Dachs und Biber machen Winterschlaf
Für winterschlafende Tiere wirken sich mehrmals wiederkehrende hohe Temperaturen innerhalb eines Winters auf das Überleben eher schädlich aus, weil das Hochfahren der Körpertemperatur und der Atem- und Herzfrequenz viel Energie benötigt. Eichhörnchen, Dachs und Biber macht dies weniger aus. Sie verbringen die kalte Jahreszeit in der sogenannten Winterruhe - bei wärmeren Temperaturen suchen sie ihre eingelagerten Essens-Vorräte auf und nehmen Nahrung zu sich.
Rehe reduzieren ihre Aktivitäten
Das Reh hält weder Winterschlaf noch Winterruhe, allerdings reicht das erworbene Fettpolster allein nicht zum Überleben im Winter aus. Rehe verringern in der kalten Jahreszeit ihre Aktivitäten. Sie bleiben längere Zeit stehen, ohne sich zu bewegen und reduzieren damit auch die Nahrungsaufnahme um 30 bis 40 Prozent. Sie müssen aber auch im Winter regelmäßig Futter aufnehmen. Allerdings ist es für Fachleute schwierig, das widerkäuende Reh so zu füttern, dass sein komplexes Verdauungssystem an dem zusätzlich angebotenen Futter keinen Schaden nimmt. Dies ist einer der wichtigen Gründe, warum das Jagdgesetz die Fütterung von so genanntem Schalenwild – zu dem auch das Reh gehört – bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Eine geschlossene, mäßig hohe Schneedecke bedeutet für Rehe noch keine Notzeit, zumal die naturnahe Bewirtschaftung unserer Wälder auch über dem Schnee noch reichlich Knospen und Blätter als Nahrung anbietet.
Für Wildtiere ist es weitaus wichtiger, dass sie nicht gestört werden und durch Fluchtbewegungen nicht zu viel Energie verbrauchen. In der Regel wittert das Wild den winterlichen Waldbesucher schon früh und wird zur Flucht verleitet, bevor wir Menschen es zu Gesicht bekommen.
Füchse und Hasen schützen sich mit Winterfell
Ein dichteres Winterfell und von Schnee freigeräumte Ruheplätze senken den Energieverbrauch. Auch Füchse, Hasen und Wildschweine wechseln zum Winter ihr Fell und bekommen isolierende Wollhaare ins Unterfell.
Wildschweine mit dicker Fettschicht
Die Graukittel bereiten sich auf den Winter vor, in dem sie sich eine dicke Fettschicht unter der Haut zulegen. Auch die inneren Organe werden mit Fettreserven bedeckt. Das Futterangebot in Maisäckern und mittlerweile höhere Jahresdurchschnittstemperaturen führen dazu, dass inzwischen auch schwache Tiere den Winter überleben und die Anzahl der Wildschweine immer größer wird. Wenn es dann noch eine gute Eichel- und Bucheckernmast im Wald gibt, leiden Wildschweine keine Not.
Auerwild ist empfindlich
Das im Schwarzwald vom Aussterben bedrohte Auerwild frisst im Winter sogar die kaum nahrhaften Fichten- und Kiefernadeln, aber auch Knospen von Buchen. Das Auerwild hat sich auch an hohe Schneelagen angepasst. Fluchtbewegungen durch Störungen sind für das Auerwild weitaus schädlicher als Kälte und Schnee. Unter Nahrungsmangel leidet es eher im Sommer, wenn durch das Fehlen von lichten Waldstrukturen nicht genügend Heidelbeersträucher für die wichtige Beerennahrung vorhanden sind.







