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Straßenmeisterei bekämpft Kreuzkräuter durch richtiges Mulchen
Erstelldatum10.08.2021
Von Frühjahr bis Herbst pflegen die Teams der Straßenmeisterei des Landkreises aus Riegel und Waldkirch die Straßenränder und Böschungen.
Am Straßenrand entlang der Kreisstraße 5144 zwischen Königschaffhausen und Sasbach wechseln sich hohes dürres Gras und Abschnitte mit blühenden Blumen ab. Das meterhohe Gras mag für manche Autofahrer auf den ersten Blick ungepflegt wirken, doch das hat System und dient dem Natur- und Artenschutz.
Von Frühjahr bis Herbst pflegen die Teams der Straßenmeisterei des Landkreises aus Riegel und Waldkirch die Straßenränder und Böschungen. Die Strecke, die sie dabei jedes Jahr mähen und mulchen entspricht der Entfernung vom Landkreis Emmendingen nach Berlin und wieder zurück. Mit ihren orangefarbenen Fahrzeugen mähen sie die Grasränder abschnittsweise und zu verschiedenen Zeiten gemäht - ein erster Schnitt im Frühjahr, ein zweiter im Herbst. Eines ist klar: die Verkehrssicherheit hat oberste Priorität, aber gleichzeitig lässt sich durch das zeitlich abgestimmte Mähen viel für Natur- und Artenschutz machen.
Erreicht wird dies, indem blütenreiche Abschnitte erst spät in der Saison oder auch gar nicht gemulcht werden, für den Naturschutz wertvolle Pflanzenarten sollen dabei ganz stehen bleiben, Pflanzen mit Hohlstängeln auch mal zwei bis drei Jahre. „Das abschnittweise Mulchen ist gut für die Artenvielfalt“, erklärt dazu Martin Geisel vom Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Emmendingen. Würde die Natur sich selbst überlassen, gäbe es einen dichten Grasfilz und keine Artenvielfalt mehr. Über die Vegetationszeit zeitlich versetztes Mulchen führt dazu, dass am Wegrand ständig blühende Pflanzen stehen und Nahrung für Insekten geben.
Ausbreitung von Giftpflanzen eindämmen
Gleichzeitig lässt sich mit dem zeitlich passenden Mulchen auch die Ausbreitung von Giftpflanzen eindämmen, indem rechtzeitig vor der Blüte dieser Pflanzen gemäht wird. Eine der bekanntesten problematischen Pflanzen im Straßenbegleitgrün ist das Jakobs-Kreuzkraut. Es sieht mit seinen gelben Blüten zwar durchaus hübsch aus, ist aber bei der Landwirtschaft in Verruf geraten, weil es Stoffe enthält, die bei Rindern und Pferden zu Vergiftungen führen können
Vor allem das Jakobs-Kreuzkraut und das Raukenblättrige Kreuzkraut sind im Landkreis auch an Böschungen entlang von Straßen zu finden. Die langanhaltende Trockenheit der vergangenen Sommer hat ihre Ausbreitung in Wiesen noch begünstigt, durch die flugfähigen Samen können sich die Pflanzen in benachbarten Wiesen ausbreiten.
Mit einer praktischen Schulung vor Ort sensibilisierte der Landschaftserhaltungsverband jetzt die Mitarbeitenden der Straßenmeistereien aus Riegel und Waldkirch jetzt beim Umgang mit diesen Kreuzkräutern. Martin Geisel vom Landschaftserhaltungsverband erläuterte den Männern an einer Böschung zwischen Königschaffhausen und Sasbach, wie Kreuzkräuter gut erkannt und nicht mit anderen gelb-blühende Pflanzen wie dem Johanniskraut, verschiedenen Pippau-Arten oder auch dem Rainfarn verwechselt werden. Die Bekämpfung der Kreuzkräuter erfolgt durch ein zweimaliges Mähen oder Mulchen im Zeitraum zwischen Juni und Ende September. Dies ist zur Hauptblütezeit des Jakobs-Kreuzkrauts an fast allen Straßenränder im Landkreis Emmendingen bereits erfolgt.
„Schulung und Vermittlung von Fachwissen sind ein wichtiger Beitrag, die naturschutzfachlichen Ziele für den Artenschutz zu erreichen und die Entwicklung von blütenreichen Straßenrändern als Biotopverbundachsen in die Praxis umzusetzen“, betont Martin Geisel. „Breite Straßenränder sind bei fachgerechter Pflege wichtige Biotopvernetzungslinien, vor allem in der Oberrheinebene mit weitgehend ackerbaulicher Nutzung“. Artenreiche Straßenränder spielen so bei der Biodiversität eine wichtige Rolle.
Auch für Tierarten ein kleines Paradies
Das zeigt sich zum Beispiel an den Straßenböschungen entlang der Kreisstraße zwischen Königschaffhausen und Sasbach. Vieles, was dort zwischen Fahrbahn und Radweg wächst, ist bekannt: Schafgarben, die blaublühende Wegwarte, Stinkrauke, blaue Glockenblumen, Bocksbart, Luzerne, Hahnenfuß, Rotklee und Lichtnelken. Auch für Tierarten sind die blumenbunten Grasstreifen ein kleines Paradies: Die dort blühenden Pflanzen teilen sich den Lebensraum mit Tagfaltern wie dem Großen Ochsenauge, dem Admiral, dem Schachbrettfalter und dem kleinen Wiesenvögelchen oder verschiedenen Heuschreckenarten, zum Beispiel dem Baunen Grashüpfer oder der Feldgrille.
Martin Geisel kommt beim Anblick der Vielfalt richtig ins Schwärmen. „Hervorragend, dieses Mosaik aus gemulchten Flächen und dem blumenbunten Gras, das stehenbleibt“, lobt er die in den vergangenen Wochen geleistete Arbeit der Straßenmeistereien.
Die Männer der Straßenmeisterei tragen mit ihrer alltäglichen Arbeit auch zum Artenschutz bei: So werden In Absprache mit dem Landschaftserhaltungsverband und den Artenschutzbeauftragten des Regierungspräsidiums Freiburg die Straßenränder nur zu bestimmten Zeitpunkten geschnitten, um damit Raupen- und Nektarpflanzen für zwei besondere Schmetterlingsarten – den Hellen und der Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling – zu fördern. Auf dem Grünstreifen entlang der Straße zwischen Königschaffhausen und Sasbach wurde der blaublühende Natternkopf stehen gelassen, worüber sich die Glänzende Natternkopf-Mauerbiene freut, die in den angrenzenden Streuobstwiesen in abgestorbenen Obstbäumen ihren Nistplatz hat.










