Landkreis Emmendingen (Druckversion)

Kleindenkmal des Monats Januar: Gedenkstein in Freiamt

Steckbrief

Gemeinde: Freiamt

Gemarkung: Mußbach

Standort: Allmendsberg

Typ: Freiplastik

Beschreibung: Gedenkstein für die Steinbrüche aus rotem Sandstein mit unregelmäßig geformten, scharrierten Seitenteilen und einem Mittelstück mit abstrakten Reliefs und Eintiefungen.

 

Weitere Infos zum Kleindenkmal

Aus den Steinbrüchen rund um den Allmendsberg in Freiamt wurde Baumaterial für das Freiburger Münster gewonnen. Die feinkörnigen, roten bis rotvioletten Sandsteine der Formation Oberer Buntsandstein waren gut zu bearbeiten und fanden vor allem in den oberen Partien des Hauptturms sowie für ornamentale Bauelemente Verwendung. Auf dem Allmendsberg besaß die Münsterfabrik, eine seit dem Spätmittelalter bestehende Einrichtung zur Verwaltung des Bauvermögens und Eigentümerin des Münsters, einen Steinbruch. Die Münsterfabrik hatte ihn an örtliche Steinhauer verpachtet, veräußerte ihn aber 1880, als der Betrieb nicht mehr rentabel war. Bis in die 1920er-Jahre ließ sich die Münsterfabrik mit Steinen aus dem Steinbruch beliefern, dann zeigte sich, dass das Material schnell verwitterte. Schließlich wurde der Steinbruch aufgegeben.

Die Gewinnung des Sandsteins war bis in das 20. Jahrhundert beschwerlich. Die Steinblöcke mussten mit Spitzhacken freigelegt und mit Eisenkeilen aus der Wand gebrochen werden. Dann wurden sie über Rutschen an die Sohle des Steinbruchs befördert und dort zugehauen, bevor sie auf Ochsen- oder Pferdekarren zur Münsterbauhütte in Freiburg abtransportiert werden konnten. Aufgrund der schweren Lasten konnten die Fuhren nur bei trockener Witterung erfolgen, wenn die Böden nicht aufgeweicht waren.

 

Sandsteinskulptur auf dem Allmendsberg

Seit Oktober 1972 erinnert eine Sandsteinskulptur des Bildhauers Friedrich Zimmermann aus Tailfingen an den aufgegebenen Steinbruch auf dem Allmendsberg. Die Aufstellung von Hinweissteinen für die Steinbrüche auf dem Allmendsberg und in Heimbach hatte der damalige Leiter der Meisterschule für Steinmetzen und Steinbildhauer in Freiburg, Studienprofessor Heinz Schumacher, zwei Jahre zuvor angeregt. Der Landkreis Emmendingen finanzierte die Beschaffung und Bearbeitung der Steine, die Gemeinden trugen die Kosten für die Aufstellung. Bei der Skulptur auf dem Allmendsberg handelt es sich um Zimmermanns Meisterstück. Sein Lehrer Josef Jakob, damaliger Leiter der Münsterbauhütte, hatte ihm den Auftrag vermittelt und ihn bei der Umsetzung unterstützt. Der Stein stammt aus dem Steinbruch bei Lahr, aus dem heute wieder Buntsandstein für das Freiburger Münster gewonnen wird.

Friedrich Zimmermann ließ sich bei der Gestaltung der Skulptur von der Figurengruppe der Heilig-Grab-Kapelle im Freiburger Münster inspirieren, deren Gipsabgüsse in der Steinsammlung des Münsterbauvereins ihm zu Vorstudien dienten. Den Bildhauer faszinierte die gotische Formensprache, die durch den typischen S-Schwung bewirkte Eleganz und Dynamik der Plastiken, die filigrane Ornamentik und das Aufstrebende der Architektur. Der Gedenkstein zeigt auf der dem ehemaligen Steinbruch zugewandten Seite eine Frauengestalt, gehüllt in ein schleierartiges Gewand mit Faltenwurf, die in der rechten Hand ein Gefäß hält. Die andere Seite trägt den Schriftzug „HIER / AM ALLMENDS / BERG WURDEN / IM 14. UND 15. / JAHRHUNDERT / STEINE / FÜR DAS / FREIBURGER / MÜNSTER / GEBROCHEN“. Eine Inschrift im Sockelbereich der Schmalseite weist den Weg „ZUM / STEIN / BRUCH“.

 

Quellen und Literatur:

Gemeindearchiv Freiamt, Akte Nr. 881.

Interview mit Herrn Friedrich Zimmermann, Tübingen, vom 19.12.2019.

Faller, Yvonne, Mittmann, Heike, Zumbrink, Stephanie: Freiburger Münster – die Münsterbauhütte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, hg. vom Freiburger Münsterbauverein, Freiburg i. Br./Berlin 2012.

Marsh, Elisabeth: Projektdokumentation, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg 2019 (unveröffentlicht).

Sauer, Kurt: Herkunft und Beschaffenheit der Bausteine des Freiburger Münsters, in: Beiträge zur Statistik der Stadt Freiburg im Breisgau, September 1983, S. 10-20.

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