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Hochburg: Landkreis Emmendingen

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Die Hochburg in Emmendingen

Historischer Überblick

Im Jahr 1161 wurde ein Kaufgeschäft vor dem Markgrafen Hermann IV. von Baden auf der Hochburg (in castro Hahberc) vollzogen. Der Abt von Frienisberg erwarb den Ort Tennenbach, um dort ein Kloster zu gründen. Diese Erwähnung ist der erste schriftliche Beleg für die Existenz der Burganlage. Eine adelige Familie, die sich nach Hachberg benannte und um 1100 erstmals in den Quellen erwähnt wird, hatte vermutlich ihren Sitz auf dieser Burg. Auch die archäologischen Befunde aus der frühsten Bauphase reichen in jene Zeit zurück. Somit steht die Errichtung der Hochburg in Zusammenhang mit dem hochmittelalterlichen Siedlungsausbau im Brettenbachtal.

1215 wird die Burg als Ausstellungsort einer Urkunde der Markgrafen Hermann V. und Friedrich I. von Baden, Söhne Hermanns IV., zugunsten des Klosters Tennenbach genannt.  Ab diesem Zeitpunkt lassen sich die Besitzverhältnisse auf der Hochburg klarer fassen, denn Heinrich I., Bruder der beiden Markgrafen, wurde im Nekrolog des Klosters Tennenbach mit dem Beinamen „de Hachberg“ eingetragen. Er begründete die Nebenlinie der Markgrafen von Hachberg. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts spaltete sich diese Linie weiter auf, der territoriale Besitz um die Herrschaftszentren Hachberg im nördlichen Breisgau und Sausenberg im Süden wurde aufgeteilt. Wie andere Güter diente auch die Hochburg in der Folgezeit wiederholt als Pfandobjekt. Mit Markgraf Otto II., der aufgrund seiner Schulden die Herrschaft Hachberg im Sommer 1415 an Markgraf Bernhard I. von Baden verkaufen musste, starb der Hachberger Zweig der Markgrafen von Hachberg 1418 aus.

Unter Markgraf Bernhard I. von Baden und seinen Nachfolgern wurde die Hochburg weiter ausgebaut. Sie diente als Sitz des badischen Amts Hachberg unter der Leitung des Landvogts, bis die Stadt Emmendingen sie Ende des 16. Jahrhunderts in dieser Funktion ablöste. Administrative Aufgaben auf der Burg nahm der Burgvogt war. Zu der Burg gehörte ein Meierhof, für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Güter wurden die hachbergischen Untertanen herangezogen. Zu ihren Dienstpflichten, den sogenannten Frondiensten, gehörten die Mitarbeit bei der Bestellung der Felder und der Ernte sowie der Transport von Feldfrüchten, Holz und Wasser.

Seit dem Spätmittelalter waren die Habsburger und die Markgrafen von Baden die vorherrschenden Mächte im Breisgau. Der konfessionelle Gegensatz infolge der Reformation verschärfte das Konkurrenzverhältnis zwischen den Fürstenhäusern. Die unter Markgraf Georg Friedrich von Baden (1573-1638) zur Festung mit sieben Bastionen ausgebaute Anlage hielt im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) den kaiserlichen Truppen stand, doch als die Versorgungslage prekär wurde, musste die badische Besatzung die Burg im März 1636 gegen freien Abzug der gegnerischen Seite übergeben. Diese ließ Geschütze und Munition nach Breisach abtransportieren und die Außenwerke der Anlage schleifen. Bei den Sprengungen wurde der hochmittelalterliche Wohnturm zerstört.

Erst in den 1660er Jahren wurde damit begonnen, die Schäden an der Anlage zu beheben, und es erfolgte ein weiterer Ausbau. Erneut wurde das Oberrheingebiet Schauplatz kriegerischer Ereignisse. Im Französisch-Holländischen Krieg (1672-1679) standen sich kaiserliche und französische Truppen im Breisgau gegenüber, denn Frankreich besaß durch die Eroberung der Festung Breisach seit 1639 einen Stützpunkt in der Region. Die Bauern der Umgebung wurden zu Befestigungsarbeiten an der Hochburg herangezogen. Auch nach dem Friedensschluss entspannte sich die Lage nicht, da Frankreich im Friedensvertrag zwischen Kaiser Leopold I. und dem französischen König Ludwig XIV. vom 5. Februar 1679 im Tausch gegen die Festung Philippsburg die Stadt Freiburg überlassen wurde. Markgraf Friedrich Magnus von Baden ließ auf französischen Druck 1681 die Bastionen der Hochburg abtragen. Die Anzahl der dort stationierten Soldaten wurde erheblich reduziert, Geschütze und ein großer Teil der Munition abtransportiert. Im Oktober 1684 zerstörte ein fahrlässig verursachter Brand die Wohngebäude auf der Anlage. Vier Jahre später musste die Hochburg abermals den Franzosen übergeben werden. Der Strategie des französischen Königs im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) folgend, die grenznahen Gebiete zu entmilitarisieren, wurden Anfang 1689 Sprengungen auf der Festung vorgenommen. Ein badischer Offizier kam nach einer Inspektion der Hochburg 1699 zu dem Schluss, dass sich der Wiederaufbau nicht mehr lohne.

 

Baugeschichtlicher Überblick

Die Hochburg liegt in der Vorbergzone des Schwarzwalds, auf einem Höhenrücken über dem Brettenbachtal, etwa 3 km östlich von Emmendingen. Die Anlage lässt sich in drei topographisch getrennte Bereiche (1a-c) gliedern. Die ältesten Baulichkeiten aus dem 12. Jahrhundert befanden sich im Zentrum (→Oberburg), das auf der Höhe des Bergrückens lag, und von einem ovalen Mauerring (→Ringmauer) umgeben war. Der Zugang erfolgte wohl von Westen durch ein Tor (2), das bei Ausgrabungen dokumentiert wurde, oberirdisch aber nicht mehr sichtbar ist. Im Süden des Zentrums stand ein quadratischer Turm (3; Seitenlänge etwa 9 m), über einem etwa 20 m breiten →Halsgraben (4; heute: Unterer Burghof). Daneben konnten weitere Gebäudereste aus der Frühzeit der Burg in Ausschnitten erfasst werden, u. a. ein Rundturm (5) aus →Buckelquadern im Norden (wohl 13. Jahrhundert).

Im 14. Jahrhundert entstand im Osten der Anlage das „Herbsthaus“ (6; ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude) mit einer Seitenlänge von 30 m. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erweiterte man den Mauerring und bezog das nördlich und östlich vorgelagerte, tiefere Gelände mit ein. Ebenso wurde der „Küferhof“ (7) an den schon bestehenden Komplex angebaut. In der Folgezeit entstanden im Süden und Osten weitere Gebäude. Östlich unterhalb des quadratischen Turms errichtete man eine Tor-/Brückenanlage (8). Auch im Westen sicherte ein weiteres Tor (9) den Zugang zum ehemaligen Halsgraben, der zugeschüttet und zu einem Vorhof (10), dem unterer Burghof umgestaltet wurde.

Unter Nutzung der Altsubstanz baute man die Hochburg im 16. Jahrhundert (1552-1577) zu einer Renaissancebefestigung aus und gestaltete die Anlage durch Aufschüttungen im Westen stark um. Hierfür wurden ein großer Teil der Ringmauer und die meisten Gebäude der frühen Burg abgetragen; sie entsprachen nicht mehr den Erfordernissen der modernen Wehrtechnik. Die meisten der heute noch in Ruinen erhaltenen Gebäude stammen aus dieser Zeit. Der Felsklotz südlich des Halsgrabens wurde durch eine hohe Aufschüttung in ein →Bollwerk (11; das „Scharfe Eck“) umgestaltet, das durch einen Torbau mit der Oberburg verbunden war. Im Norden, Süden und Westen wurden vorspringende →Rondelle (12) und Fünfeckbastionen (13) nach italienischem Vorbild errichtet, ebenso wie eine gemauerte Kontereskarpe (die äußere Mauer des Hauptgrabens). In der dadurch entstandenen Senke befanden sich sowohl Soldatenunterkünfte (14) als auch eine Remise (15; Lagerraum/Geräteschuppen) und Wasserbehälter (16; Wetten), die zum Löschen von Bränden und als Pferdetränken dienten.

Auch die Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden umgestaltet, entsprechend dem Repräsentationsbedürfnis eines Renaissancefürsten. Im Süden der Oberburg entstand 1556 der „Neue Bau“ (17), in den ältere Bauteile einbezogen worden waren. Im Westen öffneten Arkaden die Wand des Gebäudes zum Hof; und über eine Freitreppe gelangte man in einen Saal im 1. OG.

Im 17. Jahrhundert erfolgte ein weiterer fortifikatorischer Ausbau der Festung mit sieben Spitzbastionen (18; →Bastion) aus Quadermauern, vier im Norden und drei im Süden, die durch Mauerzüge (19; Kurtinen) miteinander verbunden waren. Im Nordwesten befindet sich der Eingang in die Gesamtanlage (20), das Rothgattertor mit →Schießscharten und einer ehemaligen Zugbrücke.

Das Gelände im westlichen und südlichen Vorfeld der Burg war zusätzlich durch weitere Erdwerke (Wälle und Schanzanlagen) gesichert. Insbesondere im Süden waren diese ergänzenden Sicherungen notwendig, da der anschließende Bergrücken des Hornwalds die Burg überhöhte und dieser Bereich folglich eine Schwachstelle bildete. Die genannten Stellungen sind noch heute in der Geländestruktur erkennbar.

 

Quellen

Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050-1515, Bd. 1, bearbeitet von Richard Fester, Innsbruck 1900.

Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe, Hfk-Hs Nr. 103 [Eigentum: Haus Baden], Prospect deß vesten haußes Hachberg, wie dasßelbige gegen dem Horn anzusehen, Andreas Böckler, 1670.

Die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte der bereitgestellten Digitalisate liegen bei den aufbewahrenden Institutionen.

 

Literatur

Baumann, Werner: Zum Ende der Hochburg 1688/89, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 136 (1988), 207-211.

Bender, Helmut, Knappe, Karl-Bernhard, Wilke, Klauspeter: Burgen im südlichen Baden, Freiburg im Breisgau 1979, 29-37.

Bigott, Boris, Jenisch, Bertram: Emmendingen (EM), in: Zettler, Alfons, Zotz, Thomas (Hrsg.): Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, I. Nördlicher Teil, Halbband A-K, Ostfildern 2003, S. 120-133.

Brinkmann, Rolf: Burgruine Hochburg, Emmendingen 1984.

Brinkmann, Rolf: Die Hochburg bei Emmendingen. Führer Staatliche Schlösser und Gärten, München/Berlin 2007.

Brinkmann, Rolf: Von der kleinen Adelsburg zur Festung. Eine Baugeschichte der Hochburg, Emmendingen 2019.

Herbst, Christian Philipp: Die Burg Hachberg im Breisgau, hauptsächlich vom sechszehnten Jahrhundert an. Beschreibung und Geschichte aus urkundlichen Quellen, Karlsruhe 1851.

Hoernstein, Hanne: Die mittelalterlichen Anfänge der mächtigen Festung Hochburg bei Emmendingen, in: Archäologische Nachrichten aus Baden, Bd. 74/75 (2007), S. 43-50.

Jenisch, Bertram: Plötzlich über vier Mal so groß! Neu entdeckte Festungswerke um die Hochburg bei Emmendingen, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 1/2017, 53-55.

Jenisch, Bertram, Heidenreich, Stephan M., Steffen, Markus: Vom Schreibtisch in die Burg fliegen! Terrestrische Laservermessung auf der Hochburg bei Emmendingen, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 3/2015, 126-131.

Jenisch, Bertram, Müller, Anneliese: Die Hochburg bei Emmendingen, in: Jenne Hans-Jörg u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Emmendingen, Band 1, Emmendingen, S. 118-125.

Maurer, Heinrich: Der Brand des Schlosses Hochberg 1684. In: Schau-ins-Land 15, 1889, 81-86.

Rösener, Werner: Die Rolle der Grundherrschaft im Prozess der Territorialisierung. Die Markgrafschaft Hachberg als Beispiel, in: Schau-ins-Land 98 (1979), S. 5-30.

Schaab, Meinrad: Gemarkung des Schlosses Hachberg von Friedrich Benjamin Seuffert, 1784, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Erläuterungen, Beiwort zur Karte 1,6, Stuttgart 1976, S. 1-6.

www.leo-bw.de/media/kgl_atlas/current/delivered/pdf/HABW_1_6.pdf

Treffeisen, Jürgen: Von der ersten Erwähnung 1091 bis zur Stadtwerdung 1590, in: Geschichte der Stadt Emmendingen, Bd. 1, hg. v. Hans-Jörg Jenne, Gerhard A. Auer, Emmendingen 2006, S. 33-117.

Wagner, Heiko: Burgenführer Oberrhein. 66 Burgen von Karlsruhe bis Basel, Stuttgart 2003, 57-59.

Wagner, Heiko: Hochburg, in: EBIDAT, Die Burgendatenbank: www.ebidat.de/cgi-bin/ebidat.pl