Landkreis Emmendingen (Druckversion)

Kleindenkmal des Monats Dezember: Rundbogennischen mit Figuren an der Hauptfassade der Kirche St. Margarethen in Waldkirch

Steckbrief

Gemeinde: Waldkirch

Gemarkung: Waldkirch

Standort: Kirche St. Margarethen, Kirchplatz 12

Typ: Bauornament

Beschreibung:

Farbig umrahmte Rundbogennischen mit Figuren über und zu beiden Seiten des Portals an der Hauptfassade der Kirche St. Margarethen. Die unter einer als Muschel gestalteten Nischendecke stehenden Statuen stellen die Heiligen Maria Immaculata, Margarethe von Antiochien und Johannes Nepomuk dar, denen die Kirche geweiht ist. Farbig umrahmte Rundbogennische im Giebel mit der Inschrift DEO / TER OPT[IMO] MAX[IMO] / MARIÆ / VIRGINI MATRI / SINE LABE / CONCEPTÆ / SANCTÆ / MARGARITHÆ / V[IRGINI] M[ARTYRI] / SANCTO / IOANNI NEPOM[UCENO] / M[ARTYRI] / HÆC ECCLESIA / DICATA EST / 1734.

 

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Rundbogennischen mit Figuren an der Hauptfassade der Kirche St. Margarethen in Waldkirch

Über dem Portal der Kirche St. Margarethen in Waldkirch steht in einer Rundbogennische die Figur der Maria Immaculata mit Lilien und Sternennimbus. Ihr rechter Fuß zertritt eine um die Weltkugel gewundene Schlange, der linke Fuß ruht auf der Mondsichel. Auf dem Arm trägt sie das Jesuskind, das einen Kreuzstab gegen die Schlange richtet. Die Rundbogennischen zu beiden Seiten des Portals sind mit den Figuren der Margarethe von Antiochien und des Johannes Nepomuk besetzt. Margarethe steht mit einer Märtyrerpalme in der einen und einem Kreuzstab in der anderen Hand über einem Drachen. Johannes Nepomuk, mit Sternennimbus und gekleidet als Priester, hält ein Kruzifix im Arm und ein Birett in der Hand. Die Inschrift in dem Rundbogenfeld unterhalb des Giebels verweist auf die drei Heiligen, denen die Kirche geweiht ist. Die Statuen werden dem Vöhrenbacher Bildhauer Johann Michael Winterhalder (1706–1759) zugeschrieben, der um 1740 auch an der Innenausstattung der neugebauten Stiftskirche mitwirkte und nach Studien in Wien und Auftragsarbeiten in Mähren im Jahr 1734 die Bildhauer-Werkstatt seines Vaters übernommen hatte.

Der Kirchenpatronin Margarethe von Antiochien ist auch der Hochaltar und ein Bilderzyklus im Langhaus der Kirche gewidmet, der Szenen der Heiligenlegende darstellt: die Erziehung der Tochter eines heidnischen Oberpriesters durch eine christliche Amme, die Abweisung des um sie werbenden römischen Präfekten, dessen Rache, Margarethes Heimsuchung im Kerker durch den Teufel in Gestalt eines Drachens, ihre Hinrichtung durch Enthauptung und die Aufnahme in den Himmel. Einer der populärsten Heiligen in den Zeiten der Gegenreformation war der 1729 kanonisierte Kleriker Johannes Nepomuk. Er wurde im Jahr 1393 im Zuge politischer Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof von Prag und König Wenzel von der Prager Karlsbrücke in die Moldau gestoßen. An seinen Tod durch Ertränken erinnern zahlreiche Statuen, die zur Abwehr der Hochwassergefahr neben oder auf Brücken aufgestellt wurden. Er gilt auch als Schützer des Beichtgeheimnisses, da er sich der Legende nach weigerte preiszugeben, was die Königin gebeichtet hatte. Daher wird er als Priester dargestellt.

Die barocke Prachtentfaltung der katholischen Kirche in Verbindung mit Frömmigkeitspraktiken wie Wallfahrten, Prozessionen und Heiligenverehrung zielte auf Abgrenzung zum Protestantismus und diente dazu, Glaubensinhalte auf emotionaler Ebene zu vermitteln. Dieses Programm spiegelt sich auch in der Gestaltung der Hauptfassade der Kirche St. Margarethen wider: Die Überwindung der Ungeheuer durch die Heiligen symbolisierte den Anspruch der katholischen Kirche auf konfessionelle Überlegenheit.

 

Literatur:

Birth, Adalbert: Architektur, Plastik und Malerei als Bilderbuch des Glaubens, in: Pfarrgemeinde St. Margarethen, Waldkirch, hrsg. zum Jubiläum "250 Jahre Stadtkirche St. Margarethen" und zum Abschluß der Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche im Jahr 1987, Waldkirch 1987, S. 47-76.

Kammel, Frank Matthias: Sinnlichkeit und Reglement: Kunst nach den Reformen der katholischen Kirche, in: Renaissance, Barock, Aufklärung. Kunst und Kultur vom 16. Bis zum 18. Jahrhundert, hg. von Daniel Hess und Dagmar Hirschfelder, Nürnberg 2010, S. 125-136.

DOI: doi.org/10.11588/arthistoricum.293.393

Kleiser, Bernhard: Die Schwarzwälder Barock-Bildhauer Winterhalder, hg. vom Arbeitskreis Stadtgeschichte der Heimatgilde Frohsinn Vöhrenbach e. V., Vöhrenbach 2006.

Krummer-Schroth, Ingeborg: Johann Christian Wentzinger. Bildhauer, Maler, Architekt 1710 –1797, Freiburg 1987.

Marsh, Lisa: Gesamttabelle der erfassten Kleindenkmale des Landkreises Emmendingen, unveröffentlichte PDF-Datei des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg, 2019.

Mühleisen, Hans-Otto: Seelsorgeeinheit Waldkirch. Kirchen und Kapellen, Lindenberg im Allgäu 2012.

Polίvka, Miloslav: Artikel „J. v. Pomuk“ in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München 1991, Sp. 595.

Wimmer, Erich: Artikel „Margareta v. Antiochien“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München 1993, Sp. 321-232.

Zimdars, Dagmar u. a. (Bearbeitung): Georg Dehio – Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg II: Die Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen, München 1997.

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